Kinderschutz-ABC: U wie ungewollt schwanger

© Kinderschutz-ABC / Bündnis Kinderschutz MV, Start GmbH
09.02.2012

Wöchentlich veröffentlicht der Spion einen Beitrag aus dem Kinderschutz-ABC. Heute: U wie ungewollt schwanger.

Sich der Realität stellen

Kondom gerissen, Diaphragma verrutscht oder die Pille vergessen: Bei der Schwangerschaftsverhütung sind viele Fehler möglich. Auch hält sich manche Frau in den Wechseljahren für unfruchtbar und ist es noch gar nicht. Andere glauben, dass eine stillende Frau nicht schwanger werden kann. Und junge Mädchen vergessen oft: Auch beim "ersten Mal" kann es passieren.

Eine ungewollte Schwangerschaft kann insbesondere für die betroffene Frau einen heftigen Konflikt darstellen. Ein Kind bedeutet eine enorme Veränderung, kann momentan besser oder schlechter "ins Leben passen". Möglicherweise fühlt sie sich dafür zu jung oder zu alt. Vielleicht ist eine Elternschaft in der persönlichen Lebensplanung nicht vorgesehen. Finanzielle und berufliche Gründe sprechen dagegen. Oder die Frau ist gesundheitlich nicht in der Lage, ein Kind auszutragen und aufzuziehen. Es kann auch sein, dass sie den Mann, von dem sie schwanger ist, gerade erst kennen gelernt hat, gar nicht mit ihm zusammenleben möchte oder sich von ihm getrennt hat (Trennung und Scheidung). Andererseits kann sie sich auch nicht vorstellen, ein Kind allein großzuziehen. Oft ist die Schwangere auch von ihrem Partner, ihrer Familie oder ihren Freunden enttäuscht; sie fühlt sich allein gelassen oder unter Druck gesetzt.

Bei der Entscheidung für oder gegen ein Kind sollte sich niemand drängen lassen. Die Frage - ja oder nein zum Kind - muss jede Frau für sich beantworten. Denn jede Alternative kann für sie weit reichende, auch seelische Folgen haben. Deshalb ist es wichtig, dass sich die Schwangere umgehend der Realität stellt und nach einer Antwort für sich sucht. Dabei kann sie sich Hilfe holen. Vielleicht hat sie verständnisvolle Eltern, Verwandte oder Freunde, denen sie sich anvertrauen kann. Auch eine anonyme Telefonberatung kann eine erste Anlaufstelle sein (Notruf). Gleichzeitig ist es sehr wichtig, dass die Frau keine Zeit verliert und schon bald vom Frauenarzt feststellen lässt, in welcher Schwangerschaftswoche sie ist. Denn die Entscheidung für oder gegen die Schwangerschaft muss sie innerhalb der ersten zwölf Wochen treffen, wenn sie sich die Möglichkeit eines Abbruchs offen halten will.

Möglichkeiten und Alternativen abwägen

Der Arzt kann der Schwangeren auch Adressen von Schwangerschaftskonflikt-
beratungsstellen nennen. Dort erhalten die betroffenen Frauen - und natürlich auch die dazugehörigen Männer - individuelle und kostenlose Hilfe, die für sie richtige Entscheidung zu finden und werden ausführlich über Möglichkeiten und Alternativen informiert: Wie kann die Frau Ausbildung, Beruf und Kind unter einen Hut bekommen? Welche finanzielle und praktische Unterstützung gibt es für Mutter und Kind? Gibt es Hilfe bei der Suche nach einer geeigneten Wohnung? Diese und andere Fragen kann die Schwangere mit den Beratern besprechen und entscheidet sich dann vielleicht doch dafür, das Kind auszutragen und aufzuziehen: Bis sie ihre Ausbildung beendet hat, wird sie das Kind zu Verwandten, Bekannten oder einer Pflegefamilie geben. In der Beratungsstelle erfährt sie außerdem, dass sie auch die Möglichkeit hat, das Kind nach der Geburt in einer "Babyklappe" straffrei abzugeben oder sich im Krankenhaus anonym entbinden zu lassen. Danach hat sie acht Wochen Zeit, ihren Säugling - der so lange zum Beispiel in einer Pflegefamilie lebt - zurückzunehmen. Entscheidet sie sich dann dagegen, wird das Kind zur Adoption freigegeben. Wenn die Frau diese Alternativen für sich ausschließt, so bleibt noch die Möglichkeit des Schwangerschaftsabbruchs. Die Beratungsstelle begleitet dann auch diesen Prozess.

Ungewollt schwanger! - Ab dem Moment, in dem eine Frau dies weiß, gehen ihr womöglich schreckliche Situationen durch den Kopf: Was wird alles passieren, wenn sie ihr "Geheimnis" jemanden erzählt? Sie fühlt Angst, Verzweiflung, Wut und Scham. Diese Reaktion ist verständlich, und es gibt immer eine Lösung - wenn sich die Frau umgehend der Realität stellt und Hilfe annimmt.

Info

Eine gute Soforthilfe finden Schwangere in Notsituationen zum Beispiel bei der Hotline "Findelbaby": 0800 4560789. Die kostenfreie Nummer ist rund um die Uhr erreichbar.

Eine andere Möglichkeit, sich anonym auszutauschen, bietet die Telefonseelsorge:
www.telefonseelsorge.de. Hilfreich ist auch die Internetadresse von Pro-Familia: www.profamilia.de.

Eine Übersicht der Schwangerschaftskonfliktberatungsstellen in Mecklenburg-Vorpommern finden Sie auf http://www.familienbotschaft-mv.de.

(nm) / Kinderschutz-ABC / Bündnis Kinderschutz MV, Start GmbH
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Kommentare insgesamt

Birgit K.
10.02.2012 08:15
Gast
Durch meine 6 1/2 jährige Tätigkeit bei einem Gynäkologen in Frankfurt/M kann ich diesen Artikel nicht ganz so stehen lassen. Natürlich gibt es die angegebenen Gründe für einen Schwangerschaftsabruch bei ungewollter Schwangerschaft.
Aber der eindeutig größere Teil lag doch darin, dass die Patientinnen kamen um Abtreiben zu lassen, da es in Deutschland sehr einfach ist. Es wird nicht verhütet, teilweise aus Kostengründen, teilweise aus Ignoranz.
Den größten Teil der Abbrüche hatten wir nach Veranstaltungen wie z. B. Karneval, Fussball-WM etc. Wer den Zeitpunkt bis zur 12. Woche verpasst hat, ist dann nach Holland gefahren.

Aspergo a.
10.02.2012 16:25
Gast
Na das ist doch gut wenn sie sich für eine Abtreibung entschieden haben weil sie sich ein Familienleben nicht zutrauen und womöglich auch keines haben wollen.Ich finde es besser wenn sie dann rasch entscheiden bevor es zu spät ist.Natürlich könnten sie von vornherein so entscheiden und wenn sie denn keine kinder haben wollen zu Verhütungsmitteln greifen.

Die Rechnung für die Abtreibung wird wohl ein kleines bisschen höher ausfallen als für ne Packung Condome oder dergleichen.

Clio28
11.02.2012 11:52
reg. Mitglied
ja soweit habt ihr ja recht aber es gibt auch genug frauen die das kinderkriegen zum hobby machen und das nur weil sie kein bock auf arbeit haben und lieber vater staat auf der tasche liegen da sollte man sich wohl erstmal drum kümmern dann würde es auch nicht jede ca. 2 familie um kindeswohlgefährdung gehen.

Da sollte mal vater staat drüber nachdenken........

Steffen O.
11.02.2012 17:15
Gast
Clio28, ich kenne keine solcher Frauen die aus reiner Faulheit Kinder bekommen.
Kinder bekommen und aufziehen ist meiner Ansicht nach, und der Ansicht einiger Freundinnen, wesentlich anstrengender als ein 8-Stunden-Tag im Büro oder auf sonst einer Arbeit.

Vater Staat kann da nur etwas tun, wenn die Gesellschaft, das heißt auch du, etwas tut.
Aber es ist ja viel bequemer der Politik den schwarzen Peter zuzuschieben als selbst aktiv zu werden...

Aspergo a.
11.02.2012 19:46
Gast
Nunja man könnte Richtlinien fürs Kinderkriegen einführen die ganz klar verdeutlichen wer welche bekommen darf und wer nicht.Dies würde aber zu weit führen und wird auch immer nur eine dunkle Vision bleiben.Von daher ist die reine Aufklärung z.b. in Form des Kinder AbC´s schon akttraktiver.

Rosana R.
11.02.2012 20:18
Gast
Die Verantwortung liegt meines Erachtens in dem Fall alleine bei den Frauen.
Es ist an Gleichgültigkeit und Gewissenlosigkeit,mancher Frauen, fast nicht zu überbieten, eher eine Abtreibung in Kauf zu nehmen, als sich vorher Gedanken um vernünftige Verhütung zu machen. Diese "es wird schon nichts passieren Philosophie" ist schlichtweg zum . Von Ausnahmen natürlich immer abgesehen. Die Behauptung das es fast in jeder 2ten Familie um Kindeswohlgefährdung geht halte ich für übertrieben und absolut unangebracht.

Clio28
11.02.2012 21:03
reg. Mitglied
tja das ist eure meinung also ich denke da anders drüber da ich mich mit so einer sache jeden tag auseinander setzen muss und warum sieht man immer wieder im fehrnsehr was in unserer welt passiert mit kindern, also das soll jetzt nicht jeder frau angehängt werden aber die wirklichkeit sieht doch erlich so aus.

ist klar das jeder zu verhütung beitragen sollte fauen wie männer dann würde wohl einiges anders laufen wenn jeder daran denken würde!!!!

J M.
11.02.2012 21:20
reg. Mitglied
Ich kenne beide seite alleine zu sein mit der lütten ohne arbeit und auch mit arbeit!!

Ich würde gerne wieder ohne arbeit sein oder nur ein 5 stunden job haben denn tag!

denn ich sehe die lütte auch nur 5 stunden am tag!!

Und man kann sich auf Kinder nicht ausruhen denn 1 das geld was man fürs kind bekommt, reicht vorne und hinten nicht und 2 glaube ich auf keinen fall an kinder kriegen für spaß!

Denn es ist momentan echt hart ein Kind groß zu ziehen!!

J M.
11.02.2012 21:21
reg. Mitglied
Und Rosana dir möchte ich eins sagen, wenn 2 menschen sich lieben oder mögen, sex haben dann haben beide sich um die verhütung zu kümmern!!

Aspergo a.
11.02.2012 21:27
Gast
Ja so ist es.Aber selbst die doppelte Verhütung versagt in einigen Fällen.
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