Immer mehr Kinder haben Migräne

Kopfschmerz: Verkanntes Problem bei Minderjährigen (Foto: Flickr/Martinak)
11.03.2012

Migräne kommt bei Kindern und Jugendlichen immer häufiger vor. Die vielfältigen Ursachen für Kopfschmerzen werden oft nicht richtig erkannt.

Migräne und chronischer Kopfschmerz sind bei Kindern und Jugendlichen auf dem Vormarsch: Hatten in den 70er-Jahren nur 14 Prozent von ihnen Kopfschmerz-Erfahrung, sind es heute 60 bis 80 Prozent. Die Politik ignoriert das Thema völlig und es gibt kaum Behandlungszentren, warnen Experten. "Kopfschmerz sieht man nur als Symptom, das durch Behandlung der grundlegenden Ursache ohnehin verschwindet. Das trifft auf akuten, nicht aber auf chronischen Kopfschmerz zu", betont Çiçek Wöber-Bingöl, Leiterin des pädiatrischen Komitees der internationalen Kopfschmerz-Gesellschaft, beim 16. Internationalen Wiener Schmerzsymposium.

Gefahr aus dem Eistee

Meist tritt Kopfschmerz bei Kindern gemeinsam mit Infekten auf, zunehmend jedoch auch als Migräne, an der drei bis fünf Prozent der Unter-Zwölfjährigen leiden, in der Pubertät bei Jungen sieben und bei Mädchen zwölf Prozent. Zu den Auslösern zählen zu wenig oder zu viel Schlaf, fehlendes Trinken, das Auslassen von Mahlzeiten, Schulstress, Ängste und Familienprobleme. "Vermutlich stehen Stress, Scheidungen und prekäre materielle Verhältnisse wesentlich hinter diesem Anstieg", schätzt Wöber-Bingöl, die zugleich an der Wiener Uniklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie die Kopfschmerzambulanz leitet.

Einige der gängigen Annahmen über Kopfschmerz-Verursacher sind schlichtweg falsch, so die Neurologin gegenüber pressetext. "Bei manchen Kindern tritt Spannungskopfschmerz immer dann auf, wenn sie zuvor Süßigkeiten oder Obstsalat verzehrt haben. Der Auslöser des Kopfwehs ist hier wohl die Unverträglichkeit bestimmter Inhaltsstoffe, nicht etwa der Heißhunger. Auch der oft überbordende Konsum von Eistee spielt eine Rolle. Die Eltern übersehen, dass die Kinder darin viel Teein konsumieren, das wie Koffein wirkt." Teils stecken hinter Kopfweh jedoch auch nicht erkannte Seh-, Lese- oder Lernstörungen.

Lebensstil überprüfen

Um solche Verursacher auszuschließen, muss der Arzt in der Anamnese sehr präzise vorgehen - "nicht nach Routineplan, sondern altersadaptiert und unter Berücksichtigung der Sorgen und Ängste der Eltern", wie Wöber-Bingöl betont. Kindliche Migräne ist oft von Erbrechen, Bauchschmerzen oder Schwindel begleitet. Warnsignale bei Kleinkindern sind, wenn sie nicht mehr spielen, sich zurückziehen und hinlegen, zudem auch wiederholte Blässe oder Weinerlichkeit. Ist eine bildgebende Abklärung nötig, rät die Expertin zur MRT - aus Gründen des Strahlenschutzes, der Ergebnis-Genauigkeit und da die Eltern dabei sein können.

Die Migränetherapie muss bei der Aufklärung der Kinder und ihrer Eltern ansetzen, um typische Auslöser im Alltag zu vermeiden und den Lebensstil anzupassen. Wichtig sind hier etwa die Einschränkung von Teein und Koffein, regelmäßiges Trinken und Essen, Verzicht auf Elektronik eine halbe Stunde vor dem Zubettgehen, genügend Lernpausen und Abbau von Stressmomenten. "Ein Kind braucht morgens vom Aufstehen bis zum Verlassen der Wohnung 40 Minuten. Sind es immer nur 15 Minuten, ist der Effekt ähnlich wie wenn man ein Auto ständig von null auf 200 km/h beschleunigt", sagt Wöber-Bingöl.

Besser ohne Medikamente

Bei Anzeichen einer Migräneattacke sollten Kinder von Reizen abgeschirmt werden und sich in ruhiger, abgedunkelter Umgebung hinlegen. Medikamente wirken im Grundschulalter aufgrund der kurzen Dauer der Attacken überhaupt nicht, viel besser sei Entspannen und Ablenken. "Allein dadurch gelingt es bei drei von vier Kindern mit mehr als drei Kopfschmerzattacken pro Woche, die Häufigkeit auf eine Attacke in zwei Monaten zu reduzieren. Es ist wichtig, das Problem in der Kindheit und Jugend zu erkennen und Betroffene vorzubereiten, etwa was den richtigen Umgang mit Medikamenten betrifft. Sonst nehmen sie den Kopfschmerz ins Erwachsenenalter mit", betont die Wiener Kopfschmerz-Spezialistin.

(pte/pb)

11
Kommentare insgesamt

Ebby E.
14.03.2012 16:33
Gast
ich habe auch öfters Migräne und muss Erbrechen und nach dem Erbrechen geht es mir schlechter wie vorher es fühlt sich so an als ob mein Kopf platzen würde und ich bin schon 18 Jahre alt und muss Migräne Tabletten nehmen damit es aufhört
was kann ich tun damit es aufhört???
es wird immer schlimmer,...

Aspergo a.
14.03.2012 18:41
Gast
Wenn ich Migräne hab versuch ich den Tag etwas ruhiger zu treten bis ich mich dann zuhause hinlegen kann.Das ist das beste denn nach ein paar Stunden Schlaf geht es mir dann auch besser.Wenn dafür keine Zeit ist helfen leider nur Medikamente.

Uwe Godau
16.03.2012 21:18
reg. Mitglied
Kinder, Soll heißen Deutschlands Zukunft - Bitte unterstützt sie und seid nicht die Besserwesssis sorry, die Besserwisser ! Schöne Grüße aus Plau am See ; kennt keine Sau , ist aber nicht schlimm !

Aspergo a.
16.03.2012 21:20
Gast
Doch ich kenne es.Ein schönes Ferienziel.Ist womöglich auch ganz gut gegen Migräne.

Uwe Godau
16.03.2012 21:31
reg. Mitglied
Kinder sind Menschen die zu jemanden aufschauen wollen -einen starken Freund an Ihrer Seite brauchen ! Dann sind sie gewapppnet gegen die Lügen im Leben ! Bitte laßt die lieben Kleinen in Euer Herz und nicht ein steuerlicher Faktor sein ! Bitte Germany !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Kleiner dummer J.
21.03.2012 08:43
Gast
Selber Schuld, bei der ungesunden Lebensweise...

Ebby E.
21.03.2012 09:26
Gast
man ernährt sich gesund und man hat trotzdem migräne keine ahnung von nix habn wenn man es selber nicht einmal hatte

Kleiner dummer J.
21.03.2012 09:32
Gast
Ungesunde Lebensweise... hat nicht nur etwas mit der Ernährung zu tun... Schwermetallbelastung, Stress, Mangel an Bewegung etc. etc.
Ich war mal Migränepatient.

Ebby E.
21.03.2012 09:33
Gast
ja trotzdem ich bin kerngesund und hab migräne

Kleiner dummer J.
21.03.2012 09:51
Gast
Ich bin nicht schizophren, ich bin schon eine ganze Gruppe...
11
Kommentare insgesamt
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