Nackt im Netz: Daten von 500.000 Deutschen offen im Internet einsehbar

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23.06.2008

Neue Details gibt es im Fall der 500.000 Bürgerdatensätze, die frei im Netz abrufbar waren. In den betroffenen Gemeinden herrschte offenbar Ahnungslosigkeit im Umgang mit Passwörtern. Folge: Die persönlichen Daten von 500.000 Bürgern waren im Internet offen einsehbar.

Betroffen sind vor allem die Städte Potsdam, Neuhardenberg und Hennigsdorf, sagte eine Sprecherin der Datenschutzbehörde. Insgesamt hätten fünf Kommunen ein Online-Portal mit einer Software der betreffenden Firma betrieben.

Die verantwortliche Softwarefirma habe die Zugangscodes zu den Daten auf ihrer eigenen Internetseite veröffentlicht. Um ihr Internetportal zu schützen, hätten die Kommunen Passwörter ändern müssen. Das war aber offenbar nicht geschehen.

Nach Einschätzung von Experten des Bayerischen Landeskriminalamtes können Passfälscher oder Terroristen derart offen zugängliche Daten nutzen, um sich zur Tarnung die Identitäten unbescholtener Bürger zuzulegen.

Die Daten der betroffenen Kommunen seien monatelang im Internet frei zugänglich gewesen. Zwischen März und Juni sei es mit einem Mausklick möglich gewesen, Adressen, Passbilder und die Religionszugehörigkeit von einer halben Million Menschen abzurufen. Einsehbar waren der Zeitung zufolge auch die Daten von Rathenow und rund 15 Städten in anderen Bundesländern.

Nach Vorab-Informationen des ARD-Magazins "Report München" (Sendezeit 23. Juni, 21.45 Uhr) waren Einwohnerdaten über Jahre ungeschützt im Internet.

Der Fall erinnert an den spektakulären Datenverlust britischer Behörden. Dort war eine CD mit den persönlichen Daten von 16 Millionen Briten auf dem Postweg spurlos verschwunden.

Wie viele der Städte und Gemeinden von der Datenschutz-Lücke in Deutschland betroffen sind, ist unklar. Die Firma hat den Angaben zufolge rund 200 Kommunen mit der Software beliefert. Bei einer Stichprobe unter acht Kommunen sind laut "Report München" in fünf Fällen alle Daten zugänglich gewesen. Die Softwarefirma habe die Lücke nicht erklären können, berichtete das Magazin weiter. Das Unternehmen wolle nun alle mit dem Programm belieferten Kommunen auffordern, die Passwörter zu ändern.

mfe/ddp
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