Kampf gegen Armut - Deutschland nur Mittelmaß
City- & Szenenews
23.05.2008
Die Armut ist in Deutschland in den letzten Jahren gewachsen. Die Mittelschicht der bundesrepublikanischen Gesellschaft wird dünner. Nun zeigt eine Studie, dass Deutschland im Kampf gegen die Armut im europäischen Vergleich nur im Mittelmaß liegt.
Der Armutsbericht der Bundesregierung schlug hohe Wellen in der Öffentlichkeit. Jeder vierte Bundesbürger ist diesem Bericht zufolge arm oder von Armut bedroht. Der Kampf gegen diese Armut verzeichnet nach Ansicht von Experten nur mittelmäßige Erfolge. Die "Bild"-Zeitung (Freitagausgabe) berichtete vorab unter Berufung auf eine Studie mehrerer europäischer Wissenschaftler für das Bonner Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA), das deutsche Sozialsystem erreiche beim Leistungsvergleich unter allen 27 EU-Staaten nur den zwölften Platz.
Die Forscher bemängelten, dass der deutsche Sozialstaat die Armut nicht wirksam verringern könne und sich die Situation vieler Bedürftiger trotz hoher Sozialausgaben nicht verbessern lasse. Mitautor Arno Tausch von der Universität Innsbruck kritisierte die deutsche Ausgabenpolitik. "Nur ein Bruchteil der Sozialausgaben in Deutschland, nämlich 2,5 Prozent, kommt den wirklich Armen zugute", sagte Tausch dem Blatt. Es müsse daher mehr direkte Zahlungen an diese Personengruppe geben.
Der europäische Vergleich
Wie die Zeitung weiter schreibt, hat die Tschechische Republik laut Studie das leistungsfähigste Sozialsystem in der EU. Auf den Plätzen dahinter folgen Slowenien, die Niederlande und Finnland. Deutschland hat im vergangenen Jahr Sozialleistungen im Wert von 700 Milliarden Euro finanziert. Gemessen am Bruttoinlandsprodukt waren das rund 30 Prozent. In der EU haben nur Schweden, Frankreich und Dänemark höhere Sätze.
Armut in Deutschland
Erst vor kurzem hatte der Armutsbericht der Bundesregierung für Aufsehen gesorgt, demzufolge jeder vierte Bundesbürger arm oder von Armut bedroht ist. Gegenüber dem WDR hat der Armutsforscher Christoph Butterwegge eingeschränkt, dass die dem Bericht zugrunde liegenden Daten aus dem Jahr 2005 stammen und seitdem ein Konjunkturaufschwung eingesetzt hat. Der Politikwissenschaftler betonte aber auch, dass der Aufschwung an vielen Verlierern vorbeigeht. "Ich denke dabei insbesondere an Alleinerziehende, die von der besseren Situation am Arbeitsmarkt kaum profitieren können, weil vor allem flexible Arbeitskräfte gesucht werden", sagte Butterwegge gegenüber dem WDR. Diese Gruppe ist nach wie vor ganz besonders von Armut betroffen, denn obwohl die Daten zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung bereits überholt waren, zeigt der Bericht die Tendenz einer sozialen Polarisierung auf. Diese habe sich nach Einschätzung Butterwegges seit 2005 nicht abgeschwächt, sondern eher noch verstärkt.
(ddp/jd)
Die Armut ist in Deutschland in den letzten Jahren gewachsen. Die Mittelschicht der bundesrepublikanischen Gesellschaft wird dünner. Nun zeigt eine Studie, dass Deutschland im Kampf gegen die Armut im europäischen Vergleich nur im Mittelmaß liegt.
Der Armutsbericht der Bundesregierung schlug hohe Wellen in der Öffentlichkeit. Jeder vierte Bundesbürger ist diesem Bericht zufolge arm oder von Armut bedroht. Der Kampf gegen diese Armut verzeichnet nach Ansicht von Experten nur mittelmäßige Erfolge. Die "Bild"-Zeitung (Freitagausgabe) berichtete vorab unter Berufung auf eine Studie mehrerer europäischer Wissenschaftler für das Bonner Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA), das deutsche Sozialsystem erreiche beim Leistungsvergleich unter allen 27 EU-Staaten nur den zwölften Platz.
Die Forscher bemängelten, dass der deutsche Sozialstaat die Armut nicht wirksam verringern könne und sich die Situation vieler Bedürftiger trotz hoher Sozialausgaben nicht verbessern lasse. Mitautor Arno Tausch von der Universität Innsbruck kritisierte die deutsche Ausgabenpolitik. "Nur ein Bruchteil der Sozialausgaben in Deutschland, nämlich 2,5 Prozent, kommt den wirklich Armen zugute", sagte Tausch dem Blatt. Es müsse daher mehr direkte Zahlungen an diese Personengruppe geben.
Der europäische Vergleich
Wie die Zeitung weiter schreibt, hat die Tschechische Republik laut Studie das leistungsfähigste Sozialsystem in der EU. Auf den Plätzen dahinter folgen Slowenien, die Niederlande und Finnland. Deutschland hat im vergangenen Jahr Sozialleistungen im Wert von 700 Milliarden Euro finanziert. Gemessen am Bruttoinlandsprodukt waren das rund 30 Prozent. In der EU haben nur Schweden, Frankreich und Dänemark höhere Sätze.
Armut in Deutschland
Erst vor kurzem hatte der Armutsbericht der Bundesregierung für Aufsehen gesorgt, demzufolge jeder vierte Bundesbürger arm oder von Armut bedroht ist. Gegenüber dem WDR hat der Armutsforscher Christoph Butterwegge eingeschränkt, dass die dem Bericht zugrunde liegenden Daten aus dem Jahr 2005 stammen und seitdem ein Konjunkturaufschwung eingesetzt hat. Der Politikwissenschaftler betonte aber auch, dass der Aufschwung an vielen Verlierern vorbeigeht. "Ich denke dabei insbesondere an Alleinerziehende, die von der besseren Situation am Arbeitsmarkt kaum profitieren können, weil vor allem flexible Arbeitskräfte gesucht werden", sagte Butterwegge gegenüber dem WDR. Diese Gruppe ist nach wie vor ganz besonders von Armut betroffen, denn obwohl die Daten zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung bereits überholt waren, zeigt der Bericht die Tendenz einer sozialen Polarisierung auf. Diese habe sich nach Einschätzung Butterwegges seit 2005 nicht abgeschwächt, sondern eher noch verstärkt.
(ddp/jd)
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