Homer Simpson wählt - der Spion hat das Video

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Homer vor dem Wahlautomaten (Bildschirmfoto aus dem Video)
27.10.2008

Die umstrittene Simpsons-Folge soll in den USA erst am kommenden Wochenende ausgestrahlt werden. Der Spion zeigt dir schon heute, bei wem Homer sein Kreuzchen macht - und warum das nicht klappt ...

Amerikas beliebtester Anti-Held zeigt sich von seiner besten Seite: Er geht ins Wahllokal, um seine Stimme abzugeben. Doch wenn das ausgerechnet in einer der blutigen Halloween-Folgen und ausgerechnet zwei Tage vor der wirklichen Wahl passiert, dann kann man sich auf einiges gefasst machen.

Zunächst geht es ganz beschaulich los: Herbstlich melancholisch ist der Weg zur Stimmabgabe, und draußen steht Grandpa mit einem "I still like Ike"-Schild (der Ewiggestrige würde offenbar am liebsten den 1969 verstorbenen früheren Präsidenten Eisenhower wählen). Und auch Homers Spruch bei der Registrierung ist eigentlich nur Simpsons-typisch: "Ich würde gern den Präsidenten oder den Gouverneur oder irgendwen anderes wählen, der unseren Parks und Bibkliotheken das Geld wegnimmt." Zu diesem Vorurteil Homers gegenüber den herrschenden Mächten gesellt sich das Vorurteil des Zuschauers gegenüber dem Durchschnittsamerikaner: Homer ist zu fett, um in die Kabine zu kommen - ein schlichter Scherz vor der etwas ernsteren Pointe.

Change? Impossible!

Als Homer (dank Kabine für Rollstuhlfahrer) endlich vor einem der berüchtigten Wahlautomaten steht, freut er sich über das elektronische Spielzeug - und findet's erst einmal lustig, dass das Ding behauptet, er hätte für McCain gestimmt, obwohl Homer doch eigentlich Obama angeklickt hat. Nach dem 6. missglückten Obama-Wähl-Versuch (die Automatenstimme behauptet mittlerweile bereits, McCain sei Präsident) hört der Spaß auf - zumindest für Homer, der in schönster Halloween-Tradition von der bösen Maschine zur Strecke gebracht wird.



Für die Kommentatoren fängt der Spaß allerdings hier erst an: War das etwas eine Wahlempfehlung für Obama? Machen die Simpsons politische Statements? Die österreichische Zeitung Die Krone zitiert einen Produzenten der Sendung mit der Aussage, das Video sei "keine Wahlempfehlung für Obama, sondern lediglich ein 'Kommentar zu den Ungereimtheiten im Wahlsystem'".

Die Wahlmaschine im Kopf

Der Hinweis auf die vergangenen Unregelmäßigkeiten ist berechtigt. Wenn am Ende aber doch John McCain gewinnen sollte und nicht der in Umfragen derzeit führende Barack Obama, könnte das nicht nur an den vertrackten Wahlmaschinen liegen.

Schuld daran wäre dann möglicherweise der so genannte Bradley-Effekt, benannt nach einem afro-amerikanischen Bürgermeister von L.A., der trotz guter Umfragewerte die Wahl zum Gouverneur von Kalifornien verlor.

Schwarz-Weiß-Denken

Demnach erklären sich die guten Umfragewerte von Bradley oder Obama aus sozialem Druck: Wer öffentlich nach seiner politischen Meinung gefragt wird, verhält sich (falls er nicht gerade ein CSU-Bürgermeister im Gespräch mit Christian Ulmen ist) am liebsten so, wie es die Political Correctness gebietet.

Vorbild Homer

Einen Kandidaten nur wegen seiner Hautfarbe abzulehnen - das würden wohl die wenigsten nicht-schwarzen Amerikaner öffentlich tun. In der Wahlkabine dagegen sind sie unbeobachtet und können frei nach ihren Vorurteilen handeln. Wie man ohne diesen Ballast an die Wahlurne treten kann, zeigt ausnahmsweise mal ein Anti-Held.
(ur)
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