Engagement gegen Neonazis: "Rechte Jungs zum Heulen bringen!"

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03.06.2008

In einigen ländlichen Gemeinden Brandenburgs haben Rechtsextreme die Kontrolle über den deutschen Nachwuchs. Initiativen und Projekte kämpfen dagegen an. Sozialarbeiter entwickeln Angebote für gefährdete Jugendliche - Abenteuer sollen Vertrauen schaffen.

Eine Gruppe Teenager drängelt sich im Jugendclub in Petershagen/Eggersdorf vor dem Fernseher. Auf dem Programm steht die Suche nach Deutschlands x-tem Superstar. Als bei dem Casting ein dunkelhäutiger Bewerber ans Mikrofon tritt, grölen einige Jugendliche ausländerfeindliche Parolen. "Hey, der hat hier nichts zu suchen!", ruft einer.

Damit ist für Sozialarbeiter Werner Frenzel die Grenze erreicht: Der Junge muss den Raum verlassen. Hakenkreuze an Gürtelschnallen und Musik mit rassistischen Texten sind im Jugendklub ebenfalls tabu. Die rechts orientierten Teenager selbst will Frenzel jedoch nicht ausgrenzen. "Die meisten sind in ihrer Ideologie gar nicht gefestigt", glaubt er. Diese Mitläufer wolle er "abgreifen".

Der Sozialarbeiter kennt keine Berührungsängste mit der rechten Szene - im Gegenteil: Künftig will Frenzel eigens Angebote für potenziell rechtsextreme Gewalttäter entwickeln. Dabei hat er professionelle Unterstützung: Der Potsdamer Verein "Manne" bildet in einem Modellprojekt 15 Sozialarbeiter aus Brandenburg zum Thema "Jungenarbeit und Gewaltprävention" aus, Frenzel ist einer davon. Die Hälfte der Finanzierung übernimmt der Bund, die andere steuern Land, Stiftungen und Kommunen bei.

"Jungenarbeit und Gewaltprävention"

Projektleiter Rüdiger Stanke hat die Erfahrung gemacht, dass Sozialarbeiter gerade auf dem Land meist "Einzelkämpfer" und oft überfordert seien. In der zweieinhalbjährigen berufsbegleitenden Qualifizierung soll ihnen "bewusst werden, wo ihre Grenzen liegen", sagt Stanke. Organisierte Rechtsextreme sollten sie beispielsweise meiden. Nach der Theoriephase hilft ein Coach den Teilnehmern dabei, Angebote für gefährdete Jugendliche zwischen 12 und 18 Jahren zu entwickeln.

Jungen säßen in der Regel nicht gerne im Kreis und redeten, sagt Stanke. Ihnen näherten sich die Pädagogen am besten durch Taten. Als Stichworte nennt er: Natur, Abenteuer, Grenzerfahrung. Dabei sollten traditionelle Stereotype von Männlichkeit in Frage gestellt werden, um die rechte Ideologie insgesamt zum Bröckeln zu bringen. Der Sozialarbeiter der "Jugendbasis Alpha 1" in Fürstenwalde, Andreas Penther, ist von der Fortbildung begeistert. Es sei hilfreich, sich mit anderen Betreuern austauschen und zusammenschließen zu können. Der 34-Jährige sagt, es gebe viele Vorurteile und Ängste im Umgang mit rechten Jugendlichen. Für ihn sei die Arbeit eine Herausforderung. Auch wenn die konkrete Ausarbeitung der Angebote erst ab Januar 2009 auf der Tagesordnung steht, hat Penther bereits eine Vorstellung: "Ich setze auf Sport."

Aber auch diskutieren will Penther mit den Jungen. Und er will zeigen, was hinter den Parolen der rechtsextremen NPD stecke: Was wäre denn beispielsweise, wenn tatsächlich alle Ausländer das Land verließen? Er ist sicher, dass die meisten Jugendlichen solche Fragen irritieren würden. Sie seien in ihrer Überzeugung unsicher, das rechte Gedankengut hätten sie oft von den Eltern übernommen. Penther will Alternativen aufzeigen.

Frenzels Schwerpunkt in Petershagen/Eggersdorf liegt auf der Prävention von Gewalt. Die Jungen sollten lernen, Konflikte verbal zu lösen. Außerdem will er ein Angebot entwickeln, bei dem die Jungen an ihre Grenzen stoßen: Zum Beispiel bei einem Boxkampf oder einem Überlebenstraining in der Natur. "Die sollen auch mal heulen - das wäre ein großer Erfolg."

(ddp/AG)
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