Gangsta-Rap adé?
Musik
Schluss mit Dollars / Euros scheffeln?
03.03.2008
In den letzten Jahren wurde die Hip Hop-Szene in der Außenwahrnehmung und auch im szeneinternen Diskurs vom Klischee des toughen und unnahbaren Ghetto-Kämpfers bestimmt, der sich ohne Rücksicht auf Verluste und moralische oder andere Regeln als die des „Games“ seinen Weg von dem harten Alltag der Straße zu Ruhm, Reichtum und Erfolg im Musikgeschäft geebnet hat. Doch die Fassade bröckelt. Ist die Zeit des kommerziellen Erfolgs von Rappern wie 50 Cent oder Bushido abgelaufen?
Hip Hop ist schon vor eineinhalb Jahren von der Wochenzeitung “Die Zeit“ zur erfolgreichsten und stilbildensten Musikrichtung erklärt worden. Nachvollziehbar, schließlich ist die ursprüngliche Straßenkultur sowohl musikalisch als auch styletechnisch aus der heutigen Popkultur nicht mehr wegzudenken. Entsprechend groß ist auch der Einfluss des Hip Hops auf Jugendliche.
Dass dies auch von einem Großteil der Gesellschaft hierzulande so gesehen wird, belegt die über Wochen in den Medien geführte Diskussion über pornographische und gewaltverherrlichende Texte insbesondere von Berliner Rappern wie Sido, Bushido, Massiv oder King Orgasmus One.
Auch in den USA tobt seit Jahren eine Debatte um den schädlichen Einfluss von Rapmusik auf Jugendliche, wenn auch ungleich heftiger. Dort hat der Gangsta-Rap schließlich auch eine bereits 15 Jahre währende Geschichte.
Wie “Die Zeit berichtet, scheinen insbesondere mit der wachsenden Berühmtheit des afroamerikanischen (Fast-) Präsidentschaftskandidaten Barack Obama die Proteste der merkwürdigen Melange aus besorgten Eltern, kirchlich-konservativen Sittenwächtern, feministischen Aktivistinnen und anderen sozial engagierten Organisationen Früchte zu tragen. Laut der Homepage der Wochenzeitung besinne sich die afroamerikanische Community, insbesondere die wachsende schwarze Mittelschicht, auf bürgerliche Werte. Dies spiegele sich auch in den Verkaufszahlen der US-Hip Hop-Größen wieder. So hat beispielsweise 50 Cent seine öffentlichkeitswirksame Wette mit Kanye West bezüglich der Verkaufszahlen der aktuellen Alben der beiden eindeutig verloren.
Ist das das Aus für Bushido & Co.?
Ist also auch in Deutschland eine Abkehr vom Image des unbesiegbaren Straßenrambos zu erwarten? Die Zahl der verkauften Platten von Bushido und Co. spricht jedenfalls eine andere Sprache. Andererseits berichtete unlängst von einem „schrumpfenden Markt“ für Gangsta-Rap.
Allerdings stellt sich die Frage, was im deutschsprachigen Hip Hop den Hype des Gangsta ersetzen sollte. Das im Januar diesen Jahres erschienene neue Album der Raplegende Dynamite Deluxe wurde nur szeneintern tatsächlich bemerkt, Jan Delay und Max Herre, früher mit ihren Crews Absolute Beginner und Freundeskreis Garanten für anspruchsvolle und auch kritische Texte, haben sich mittlerweile in die Welt der Belanglosigkeit und des dumpfen schwarz-rot-goldenen Nationaltaumels verabschiedet und vom alten Wortwitz des Stuttgarter Blumentopfs ist auch nicht mehr viel übrig geblieben. Gegenmodelle zum Ghettokrieger wie Kanye West, Common, Talib Kweli Talib Kweli oder The Roots sind in Deutschland schlichtweg nicht vorhanden oder einfach unpopulär.
Was kommt danach?
Die Post-Gangsta-Ära im deutschsprachigen Rap (wenn es sie dann in absehbarer Zeit geben sollte) könnte jedoch von einer anderen Art von Sprachakrobaten bestimmt werden. Jüngstes Beispiel für eine Crew, die zwar mit Straßenklischees spielt, sich aber selbst nicht zu ernst nimmt und vor allem das alte Credo des Hip Hop, das Leben auf der Straße abzubilden, aber nicht zu verherrlichen, wiederbelebt, sind die Berliner von K.I.Z. Ihr letztes Album Hahnkampf verkaufte sich erstaunlich gut, ihre Videos sind auf MTViva auch häufig zu sehen. Populär genug sind sie jedenfalls. Bleibt die Frage, ob die geneigte Hörerschaft der Herren Kannibalen die Ironie ihrer Texte auch wahrnimmt und versteht.
Gleiches gilt für die selbsternannte „Vaginal-Rapperin“Lady Bitch Ray. Man kann ihr durchaus zusprechen, sehr viel reflektierter mit ihrem Image und ihren Aussagen umzugehen als ihre männlichen Kollegen.
Ob das allerdings bei den meist minderjährigen Konsumenten ankommt, ist durchaus fraglich.
In den letzten Jahren wurde die Hip Hop-Szene in der Außenwahrnehmung und auch im szeneinternen Diskurs vom Klischee des toughen und unnahbaren Ghetto-Kämpfers bestimmt, der sich ohne Rücksicht auf Verluste und moralische oder andere Regeln als die des „Games“ seinen Weg von dem harten Alltag der Straße zu Ruhm, Reichtum und Erfolg im Musikgeschäft geebnet hat. Doch die Fassade bröckelt. Ist die Zeit des kommerziellen Erfolgs von Rappern wie 50 Cent oder Bushido abgelaufen?
Hip Hop ist schon vor eineinhalb Jahren von der Wochenzeitung “Die Zeit“ zur erfolgreichsten und stilbildensten Musikrichtung erklärt worden. Nachvollziehbar, schließlich ist die ursprüngliche Straßenkultur sowohl musikalisch als auch styletechnisch aus der heutigen Popkultur nicht mehr wegzudenken. Entsprechend groß ist auch der Einfluss des Hip Hops auf Jugendliche.
Dass dies auch von einem Großteil der Gesellschaft hierzulande so gesehen wird, belegt die über Wochen in den Medien geführte Diskussion über pornographische und gewaltverherrlichende Texte insbesondere von Berliner Rappern wie Sido, Bushido, Massiv oder King Orgasmus One.
Auch in den USA tobt seit Jahren eine Debatte um den schädlichen Einfluss von Rapmusik auf Jugendliche, wenn auch ungleich heftiger. Dort hat der Gangsta-Rap schließlich auch eine bereits 15 Jahre währende Geschichte.
Wie “Die Zeit berichtet, scheinen insbesondere mit der wachsenden Berühmtheit des afroamerikanischen (Fast-) Präsidentschaftskandidaten Barack Obama die Proteste der merkwürdigen Melange aus besorgten Eltern, kirchlich-konservativen Sittenwächtern, feministischen Aktivistinnen und anderen sozial engagierten Organisationen Früchte zu tragen. Laut der Homepage der Wochenzeitung besinne sich die afroamerikanische Community, insbesondere die wachsende schwarze Mittelschicht, auf bürgerliche Werte. Dies spiegele sich auch in den Verkaufszahlen der US-Hip Hop-Größen wieder. So hat beispielsweise 50 Cent seine öffentlichkeitswirksame Wette mit Kanye West bezüglich der Verkaufszahlen der aktuellen Alben der beiden eindeutig verloren.
Ist das das Aus für Bushido & Co.?
Ist also auch in Deutschland eine Abkehr vom Image des unbesiegbaren Straßenrambos zu erwarten? Die Zahl der verkauften Platten von Bushido und Co. spricht jedenfalls eine andere Sprache. Andererseits berichtete unlängst von einem „schrumpfenden Markt“ für Gangsta-Rap.
Allerdings stellt sich die Frage, was im deutschsprachigen Hip Hop den Hype des Gangsta ersetzen sollte. Das im Januar diesen Jahres erschienene neue Album der Raplegende Dynamite Deluxe wurde nur szeneintern tatsächlich bemerkt, Jan Delay und Max Herre, früher mit ihren Crews Absolute Beginner und Freundeskreis Garanten für anspruchsvolle und auch kritische Texte, haben sich mittlerweile in die Welt der Belanglosigkeit und des dumpfen schwarz-rot-goldenen Nationaltaumels verabschiedet und vom alten Wortwitz des Stuttgarter Blumentopfs ist auch nicht mehr viel übrig geblieben. Gegenmodelle zum Ghettokrieger wie Kanye West, Common, Talib Kweli Talib Kweli oder The Roots sind in Deutschland schlichtweg nicht vorhanden oder einfach unpopulär.
Was kommt danach?
Die Post-Gangsta-Ära im deutschsprachigen Rap (wenn es sie dann in absehbarer Zeit geben sollte) könnte jedoch von einer anderen Art von Sprachakrobaten bestimmt werden. Jüngstes Beispiel für eine Crew, die zwar mit Straßenklischees spielt, sich aber selbst nicht zu ernst nimmt und vor allem das alte Credo des Hip Hop, das Leben auf der Straße abzubilden, aber nicht zu verherrlichen, wiederbelebt, sind die Berliner von K.I.Z. Ihr letztes Album Hahnkampf verkaufte sich erstaunlich gut, ihre Videos sind auf MTViva auch häufig zu sehen. Populär genug sind sie jedenfalls. Bleibt die Frage, ob die geneigte Hörerschaft der Herren Kannibalen die Ironie ihrer Texte auch wahrnimmt und versteht.
Gleiches gilt für die selbsternannte „Vaginal-Rapperin“Lady Bitch Ray. Man kann ihr durchaus zusprechen, sehr viel reflektierter mit ihrem Image und ihren Aussagen umzugehen als ihre männlichen Kollegen.
Ob das allerdings bei den meist minderjährigen Konsumenten ankommt, ist durchaus fraglich.
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