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FEHLFARBEN – Glücksmaschinen (Veröffentlichung: 12.02.2010)
Kürzlich in der Küche einer Hamburger Galerie: Eine junge Dame drückt einem Freund das neue Fehlfarben-Album in die Hand, frisch gebrannt, quasi zum Geburtstag – alles streng geheim. „Nur Hits, super zum Tanzen“, sagte die Dame, deren Eltern noch minderjährig waren, als Fehlfarben eine der wichtigsten Platten der deutschen Popgeschichte veröffentlichten: „Monarchie und Alltag“, das war 1980.
Warum diese Geschichte? Weil: junge Dame, neue Fehlfarben, Hits, Tanzen – hä? Große Verehrung für Peter Hein, klar, aber das letzte Album seiner Band, das zweite nach dem Comeback von 2002, war mit der Plattenfirma V2 in der Versenkung verschwunden, und das war kein Drama.
Aber jetzt kommt das neue Album „Glücksmaschinen“. Und sofort und seitdem immer wieder beim Hören: Glücksgefühle. Man wünscht den Leuten, die diese acht neuen Lieder hören, dass sie keine Ahnung von den Fehlfarben haben, weil der Geschichtsballast ja oftmals auch den Blick verstellt, und die neuen Lieder so gut und jetzig sind, dass der Vergangenheitsquark nur nervt.
Zuerst mal: die Musik. Wahnsinnig knackig, druckvoll, total entschlackt und voller Haken und Ösen, an denen man noch nach dem hundertsten Hören hängenbleibt. Daran ist der Berliner Produzent Moses Schneider (Tocotronic, Kante, Beatsteaks) sicher nicht ganz unschuldig. Der hat die Herrschaften in sein Studio gestellt und machen lassen und auf Aufnahme gedrückt. Also nix mit Overdubs, und jetzt spielen wir mal den Bass ein, und dann kleben wir da noch das drauf. Das war genau das richtige. Zumindest klangen Fehlfarben seit „Monarchie und Alltag“ nicht mehr so frisch und bei sich wie eben jetzt.
Ja und dann die Texte. Peter Hein ist ja schon immer einer der besten Texter des Landes gewesen. Jeder, der heutzutage auf Deutsch singt, hat von Peter Hein gelernt, ob er will oder nicht. Und das alles ohne Reime. Im Titelsong „Glücksmaschinen“ wird mal eben das Lebensgefühl einer Elterngeneration auf den Punkt gebracht, die mit dem Verlust ihrer jugendlichen Ideale klar kommen muss. Richtig witzig wird’s, wenn der Hein über das Leben in der Welt des Web 2.0 singt.
Alles vorgetragen mit dieser klaren, drängenden Stimme, und darunter die Musik, die schiebt und schiebt. Das hat eine angenehme Wirkung auf den Hörer, ungefähr so, wie wenn einem jemand eine Ladung Adrenalin ins Hirn rammt. Nebenbei fallen etliche T-Shirt-Slogans ab, eine Auswahl: „Wahnsinn, Wahnsinn, alles ist gut“, „Wir haben Angst, aber leider keine Zeit dafür“.
Und dann, zum Ende hin, als alles gesagt zu sein scheint, jammt die Band schön druckvoll weiter, als hätte sie zu viel Schwung um einfach aufzuhören, und plötzlich, während man so mitwippt oder rumtanzt, kriegt Peter Hein den wohl tollsten Wutanfall der Musikgeschichte. Und alles geht von vorne los. So viel Kraft und Klarheit, wie sie Fehlfarben im Jahr 2010 haben, wünscht man jeder jungen Band. Und dass die Düsseldorfer dreißig Jahre nach „Monarchie und Alltag“ so ein Meisterwerk aus dem Ärmel schütteln, ist die schönste Überraschung seit, ach, keine Ahnung. T(ino Hanekamp)
Fehlfarben sind: Peter Hein – Stimme; Michael Kemner – Bass; Frank Fenstermacher – Keyboards; Gitarre, Perkussion; Uwe Jahnke – Gitarre; Saskia von Klitzing – Schlagzeug; Pyrolator - Synthesizer, Klavier, Laptop
www.fehlfarben.com
VVK 20,- zzgl. Gebühren
Kürzlich in der Küche einer Hamburger Galerie: Eine junge Dame drückt einem Freund das neue Fehlfarben-Album in die Hand, frisch gebrannt, quasi zum Geburtstag – alles streng geheim. „Nur Hits, super zum Tanzen“, sagte die Dame, deren Eltern noch minderjährig waren, als Fehlfarben eine der wichtigsten Platten der deutschen Popgeschichte veröffentlichten: „Monarchie und Alltag“, das war 1980.
Warum diese Geschichte? Weil: junge Dame, neue Fehlfarben, Hits, Tanzen – hä? Große Verehrung für Peter Hein, klar, aber das letzte Album seiner Band, das zweite nach dem Comeback von 2002, war mit der Plattenfirma V2 in der Versenkung verschwunden, und das war kein Drama.
Aber jetzt kommt das neue Album „Glücksmaschinen“. Und sofort und seitdem immer wieder beim Hören: Glücksgefühle. Man wünscht den Leuten, die diese acht neuen Lieder hören, dass sie keine Ahnung von den Fehlfarben haben, weil der Geschichtsballast ja oftmals auch den Blick verstellt, und die neuen Lieder so gut und jetzig sind, dass der Vergangenheitsquark nur nervt.
Zuerst mal: die Musik. Wahnsinnig knackig, druckvoll, total entschlackt und voller Haken und Ösen, an denen man noch nach dem hundertsten Hören hängenbleibt. Daran ist der Berliner Produzent Moses Schneider (Tocotronic, Kante, Beatsteaks) sicher nicht ganz unschuldig. Der hat die Herrschaften in sein Studio gestellt und machen lassen und auf Aufnahme gedrückt. Also nix mit Overdubs, und jetzt spielen wir mal den Bass ein, und dann kleben wir da noch das drauf. Das war genau das richtige. Zumindest klangen Fehlfarben seit „Monarchie und Alltag“ nicht mehr so frisch und bei sich wie eben jetzt.
Ja und dann die Texte. Peter Hein ist ja schon immer einer der besten Texter des Landes gewesen. Jeder, der heutzutage auf Deutsch singt, hat von Peter Hein gelernt, ob er will oder nicht. Und das alles ohne Reime. Im Titelsong „Glücksmaschinen“ wird mal eben das Lebensgefühl einer Elterngeneration auf den Punkt gebracht, die mit dem Verlust ihrer jugendlichen Ideale klar kommen muss. Richtig witzig wird’s, wenn der Hein über das Leben in der Welt des Web 2.0 singt.
Alles vorgetragen mit dieser klaren, drängenden Stimme, und darunter die Musik, die schiebt und schiebt. Das hat eine angenehme Wirkung auf den Hörer, ungefähr so, wie wenn einem jemand eine Ladung Adrenalin ins Hirn rammt. Nebenbei fallen etliche T-Shirt-Slogans ab, eine Auswahl: „Wahnsinn, Wahnsinn, alles ist gut“, „Wir haben Angst, aber leider keine Zeit dafür“.
Und dann, zum Ende hin, als alles gesagt zu sein scheint, jammt die Band schön druckvoll weiter, als hätte sie zu viel Schwung um einfach aufzuhören, und plötzlich, während man so mitwippt oder rumtanzt, kriegt Peter Hein den wohl tollsten Wutanfall der Musikgeschichte. Und alles geht von vorne los. So viel Kraft und Klarheit, wie sie Fehlfarben im Jahr 2010 haben, wünscht man jeder jungen Band. Und dass die Düsseldorfer dreißig Jahre nach „Monarchie und Alltag“ so ein Meisterwerk aus dem Ärmel schütteln, ist die schönste Überraschung seit, ach, keine Ahnung. T(ino Hanekamp)
Fehlfarben sind: Peter Hein – Stimme; Michael Kemner – Bass; Frank Fenstermacher – Keyboards; Gitarre, Perkussion; Uwe Jahnke – Gitarre; Saskia von Klitzing – Schlagzeug; Pyrolator - Synthesizer, Klavier, Laptop
www.fehlfarben.com
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